zugehörig zur Ökumenischen Initiative Wipperfürth e.V.

Gaulstraße 34
51688 Wipperfürth

Tel.  02267 / 6809520
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Vorsitzende: Frau Christiane Elf
Leuchtenbirkener Weg 16,
51688 Wipperfürth,
Tel. 02267-4821


 2. Vorsitzende: Ellen Lukowitz,
Seilerstr. 10,
51688 Wipperfürth,
Tel. 02267-9116

 
Büro + Ansprechpartnerin:
Frau Tanja Wagner 0178 - 5990828
Frau Maria Winter 0178-5990825

Hospitz-Büro: Gaulstraße 34
Postfach 1371
51677 Wipperfürth
Tel. 02267 / 68 09 520 - 0178 / 59 90 828
E-Mail: Tanja.Wagner
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Unser ambulanter Hospizdienst besteht seit über zehn Jahren. In Zusammenarbeit mit den Hausärzten, den professionellen Pflegediensten, den Seelsorgern und Sozialstationen widmen wir uns unter der Leitung der hauptamtlichen Koordinatoren der psychosozialen Begleitung von Schwerstkranken und Sterbenden. Die christliche Prägung unserer Hospizgruppe schließt aktive Sterbehilfe sowie Hilfe zur Selbsttötung aus. Unser dienst ist ehrenamtlich und unentgeltlich und steht allen ohne Unterschied ihrer Religion, Konfession oder Volkszugehörigkeit offen.

 

Die Achtung vor der Würde des Menschen und seiner religiösen Überzeugung ist uns verpflichtendes Gebot.

 Interview

„Alleine hätten wir es nicht geschafft“

Der Herbst ist schön. Wie aus einem Füllhorn leuchten uns im Oktober Früchte und Farben entgegen, zeigt das Leben sich noch einmal von seiner schönsten Seite. Doch dann – vor allem wenn er nach den letzten schönen, sonnigen Tagen so langsam im November in den Winter übergeht – hält der Herbst auch die ernsten Themen des Lebens bereit. Verfall und Vergehen in der Natur, das Schwächer - Werden des Lichtes, Einzug von Sturm, Nässe und Kälte – all das lädt den Men-schen ein, über das eigenen Sterben und Vergehen, über den Tod und was danach kommt, nachzudenken.

Man muss es nicht! Es ist eine Einladung! Natürlich kann man diese Themen in der „To Do – Liste“ des Lebens auch ganz hinten anstellen und sagen: Mit dem Tod kann ich mich immer noch auseinandersetzen, wenn es so weit ist, und im Stillen darauf hoffen, dass es einem ganz erspart bleibt. Denn über das eigene Sterben nachzudenken – das ist nichts, wonach man sich sehnt, wozu es einen drängt.

Wie aber darf man dann Menschen verstehen, die sich – selbst noch in der Mitte des Lebens – dazu bereit erklären, anderen Menschen in ihren letzten Stunden des Lebens beizustehen und sich so immer wieder neu Situationen auszusetzen, in denen der Tod das eigene Leben kreuzt und ein fremdes, anvertrautes Leben sogar kompromisslos durchkreuzt? So viel Tod und Sterben in nächster Nähe… ?

Ich bin gespannt, als ich im Konrad Martin Weg mit dem Aufzug in den dritten Stock der Ökumeni-schen Hospiz-Initiative hoch-fahre. Dort werde ich mit der Vor-sitzenden der Ökumenischen Hospiz-Initiative, Frau Peters (Foto links), und der Koordinatorin Frau Löhr (Foto rechts) zusammentreffen. In der Tasche habe ich einen Flyer dieser Institution. 

„Hospize waren im Mittelalter Raststätten für Reisende und Pilger, in denen sie von den Strapazen ihrer Wanderschaft wohl - umsorgt ausruhen konnten. Die Hospiz-Idee nimmt diesen Gedanken auf und wendet ihn auf die Begleitung Schwerkranker und Sterbender an.“ So lese ich es zur Erläuterung auf der ersten Seite. Das fremde Wort „Hospiz“ hellt sich auf. Ich war selbst einmal Pilger auf dem langen Weg nach Santiago de Compostela und weiß um den Segen dieser Pilgerherbergen. Der Pilger ist König – in aller Schlichtheit und Einfachheit. Die dort ihre Dienste tun, sie wissen um die Strapazen des Weges und die möglichen Blessuren bei den Reisenden. Die Einkehr in eine solche schlichte Herberge schenkt dem Pilger Frieden und Geborgenheit in der Unruhe des Unterwegs-Seins.

Ich erreiche den dritten Stock des Hauses und trete in die Büroräume der Institution. Sofort bekomme ich einen Kaffee angeboten, auf dem Tisch stehen Plätzchen. Eine gastliche Atmosphäre umfängt mich.

1. Wie lang gibt es das schon in Wipperfürth: die Ökumenische Hospiz- Initiative?

Frau Peters und Frau Löhr wechseln sich ab in der Beantwortung meiner Fragen. 1993 hat alles angefangen. Der damalige Chefarzt des Wipperfürther Krankenhauses, Dr. Schaaf, hatte die Idee und scharte interessierte Mitarbeiter um sich. Frau Breidenbach-Ommer, Dr. Weidlich, Frau Riekmann, Pfr. Hennecke – das sind die Namen, die zur ersten Stunde der Vereinsgründung gehören. Diejenigen, die jetzt vor mir sitzen, gehören nicht zur Gründergeneration, sie sind später erst dazu gestoßen. Frau Peters, wohnhaft in Kürten, ist erst in diesem Jahr zur Vorsitzenden gewählt worden. Auch Frau Löhr, wohnhaft in Radevormwald, bekleidet erst seit wenigen Monaten das Amt der Koordinatorin. Auf ihre konkreten Aufgaben kommen wir später noch zu sprechen.

2. Ein Arzt hat in Wipperfürth die Bewegung ins Leben gerufen. Wie ist die Unterstützung der Hospiz-Bewegung durch die Ärzte heute einzuschätzen?

Auch wenn ein geringer Teil der Ärzte die Sterbebegleitung durch die Hospiz-Bewegung nicht aus eigener Anschauung kennt, so ist es erfreulich zu sehen, dass immer mehr Ärzte bereit sind, den Hospizgedanken in ihre Arbeit mit einzubeziehen. Dazu hilft der Ausbau durch Dr. Kirch hier in Wipperfürth. Alle Ärzte sollten eine solche Palliativ-Ausbildung haben. Das fördert die Sensibilität im Umgang mit Schwerkranken, hilft für eine langfristige Hinführung zu einer guten Sterbebegleitung und ermöglicht eine noch bessere Vernetzung der Hilfe. 
 

3. Zur Begriffsbestimmung: Was ist Palliativ-Medizin, bzw. Palliativ - Therapie?

Palliativ-Medizin/Palliativ-Therapie ist die aktive, ganzheitliche Behandlung bei Patienten mit einer weit fortgeschrittenen Erkrankung und begrenzter Lebenserwartung. Im Vordergrund steht die Linderung von Schmerzen, aber auch die Hilfe und Unterstützung bei psychosozialen und spirituellen Problemen. Der Begriff „Palliativ“ leitet sich von lateinisch pallium (- Mantel) ab; übersetzt heißt Palliativtherapie daher so viel wie „ummantelnde Behandlung“, also eine Behandlung, die nicht mehr auf eine Heilung zielt, weil diese medizinisch unmöglich erscheint, sondern auf ein menschenwürdiges Sterben mit einer umfassenden Betreuung und möglichst wenig Schmerzen.

 4. Wo ist das nächste Hospiz?

In Bensberg, Wiehl, Wuppertal und Lüden-scheid mit maximal 10 Plätzen. Hier in Wipperfürth beschränken wir uns auf einen ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst. Das heißt: wir kommen ans Krankenbett und bieten unsere Hilfe in vertrauter Umgebung an.

5. Was muss man tun, wenn man diesen Dienst in Anspruch nehmen will?

Ich wähle die Bereitschafts-Nummer der Initiative: 0178 / 5990828 oder ich sage diesen Wunsch meinem Hausarzt, meinem Pflegedienst, meiner Sozialstation, dem Altenheim- oder dem Krankenhaus-Personal. Auch ein Gespräch mit einem der Seelsorger dort kann weiterhelfen. Besonders Sr. Marcella vom Orden der Borromäerinnen verwendet im Krankenhaus Wipper-fürth bewundernswert viel Mühe auf die Begleitung Sterbender.

Also kurze Wege und… keine Kosten!!! Die Mit-arbeiterInnen der Initiative arbeiten bis auf die Ko-ordinatorin Frau Löhr alle ehrenamtlich. Die trotzdem anfallenden Kosten werden anteilig von den gesetz-lichen Krankenkassen und den Spendern der Hos-pizbewegung übernommen. Außerdem unterliegen die MitarbeiterInnen der Schweigepflicht.

6. Sind die MitarbeiteInnen denn für eine sol-che Beistandsarbeit am Sterbebett vorbereitet bzw. qualifiziert?

Wir haben z. Zt. 18 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen, die sich monatlich treffen. Dort werden die Einsätze besprochen, findet der so wichtige Erfahrungs-austausch statt, werden aktuelle Themen besprochen wie „Das anonyme Gräberfeld“ auf dem Friedhof Wipperfürth, „das Palliativ-Netzwerk“ von Dr. Kirch oder „Die Patientenverfügung“.

Um diese Frage nach der Qualifikation zu beantworten, kann auch ein Blick auf die Ausbildung der Hel-fergenerationen weiterhelfen. So fand im vergangenen Frühjahr ein Kurs mit 2 Wochenenden und 6 ver-pflichtenden Themenabenden mit der Referentin für Hospizarbeit, Frau Christa Michels statt. Dabei geht es darum, selbst innerlich das Sterben als Teil des Lebens zu bejahen. Ich kann den sterbenden Menschen nur annehmen und begleiten, wenn ich selbst eine Be-ziehung zum Sterben gefunden habe
 

7. Welche menschlichen Voraussetzungen muss man denn mitbringen, wenn man bei dieser Ausbildung und der daraus resultierenden  Hospizarbeit mitmachen möchte?

Frau Peters: „Man braucht eine große Liebe zu den Menschen. Man braucht Empathie und die Bereitschaft, sich mit dem eigenen Tod und Sterben auseinanderzusetzen. Der Tod darf einem keine Angst mehr machen. Da muss eine innere Akzeptanz sein und schließlich die Bereitschaft, sich dem Sterbenden wertfrei zu nähern, d.h. unabhängig von seiner Religion, seiner Herkunft, seiner Hautfarbe und seinen sonstigen Eigenarten. Der Sterbende ist der Regisseur, er gibt den Weg vor, wo die Begleitung hingeht. Hilfreich kann dabei die Vorstellung sein: Wie würde ich selber gerne sterben?“

Frau Löhr ergänzt dazu: „Der Hospiz - Helfer am Sterbebett nähert sich nicht als Arzt, als Pfleger, Priester oder Berater für das Aufsetzen des Testamentes. Er übernimmt ausschließlich den psycho-sozialen Teil und findet darin seine besondere Rolle als Ergänzung zur professionellen Hilfe.“

8. Wie kommt jemand darauf, sich in dieser ehrenamtlichen Arbeit zu engagieren?

Das ist unterschiedlich. Manchmal ist es der Tod eines Angehörigen oder die Begegnung mit Verantwortlichen in der Hospizarbeit, die den Anstoß geben. Manchmal ist es auch das eigene Älter - Werden, das den Wunsch frei setzt, in das Thema „Tod und Sterben“ langsam hineinzuwachsen und sich über diese Arbeit damit vertraut zu machen

9. Zum Schluss: Nennen sie 3 Stichworte, warum es gut ist, sich für eine Sterbebegleitung durch die Hospiz-Initiative zu entscheiden?

  1. Es ist eine Entlastung für die Angehörigen und Nachbarn. Oft hört man „Alleine hätten wir es nicht geschafft!“
  2. Der Helfer am Sterbebett ist eine neutrale Person, die nicht verwickelt ist in Familienstreitigkeiten und fachlich gebundene Dienstleistungen und dadurch Räume öffnen kann für Gespräche, die den Sterbenden entlasten. Auch letzte Wünsche kann er erfüllen helfen – manchmal trotz ärztlicher Vorschriften – wie Eis essen, noch einmal ein Glas Sekt trinken, eine Zigarette rauchen,…
  3. Auch der letzte Lebensabschnitt ist ein lebenswerter Abschnitt. Die Hospizbewegung ist zutiefst davon überzeugt und tut alles dafür, diese Erfahrung dem Sterbenden mit in den Tod zu geben.

Pastoralreferent Norbert Caspers im Gespräch mit Frau Peters (bisherige Vorsitzende) und Frau Löhr im November 2010