Geschichte St. Anna

Wie Hämmern zu seinem Namen kam


In den Jahren 1730 bis 1738 erbaute der Remscheider Kaufmann Peter Busch unterhalb der Anna-Kapelle von Jostberg sechs Hammerwerke, die von Wasserrädern angetrieben wurden. Das Wasser wurde in einem Obergraben von der Wupper abgezweigt und auf die Räder geleitet.

Der Ortsname Hämmern ist aus der Flurbezeichnung „An den Hämmern“ entstanden, die sich ursprünglich nur auf das Gelände in unmittelbarer Nähe der industriellen Anlage bezog. Noch im Urkataster von 1830 wird mit „Hämmern“ allein der Industriestandort benannt.

Die Eisenhämmer gehörten um 1750 einem in Rotterdam ansessigen Kaufmann namens Hoffman und waren an Johann Peter Reinshagen (1707–1772) verpachtet, der sie später zusammen mit seinem Bruder Johann Friedrich (1709–1794) erwarb. Die Gebrüder Reinshagen stammten aus Lüttringhausen und heirateten beide Frauen aus Hückeswagen, Johann Peter die Bürgermeisterstochter Maria Catharina Lüdorff und Johann Friedrich die Anna Elisabeth Buscher von Großen-Eichen. Ein dritter Bruder, Johann Wilhelm (1713–1788), heiratete Anna Elisabeths Schwester Anna Catharina; er war Kaufmann „auf der Bever“ („Reinshagensbever“).

Die Hämmer unterhalb von Jostberg waren unter dem Namen „Reinshagerhämmer“ bzw. „Reinshagens-Hämmer“ bekannt; Hofkammerrat Jacobi, ein Freund Goethes, gibt 1773 in einem Bericht an den Landesherrn sogar die Ortsbezeichnung „Am Reinshagen“ an.

Von den Gebrüdern Reinshagen wird berichtet, dass sie 37 Arbeiter beschäftigten und ihren Jahresumsatz auf 50.000 holländische Gulden schätzten. Hauptabsatzgebiet des gereckten Eisens war Holland; dort wurde es entweder zum Schiffbau verwendet oder als Bandeisen in die Weinbaugebiete Frankreichs, Spaniens und Italiens weiterverkauft.

Johann Friedrich und Anna Elisabeth Reinshagen hatten 13 Kinder. Ins Geschäft stiegen die Söhne Johannes (1744–1812) und Gottfried (1753–1825) ein, die Sara bzw. Rahel Rittershaus, die Töchter eines Elberfelder Kaufmanns, heirateten. Gottfried, der in den Kirchenbüchern lediglich als Eisenhändler und Gutsbesitzer bezeichnet wird, lebte im noch heute erhaltenen Wohnhaus bei den Hämmern, während Johannes, der wie schon sein Vater als „Reidemeister“ bzw. „Hammerbesitzer“ tituliert wird, sich 1785 am Wipperfürther Marktplatz ein repräsentatives Domizil errichten ließ, das heute so genannte „Haus am Markt“. Ihm gehörten auch Hammerwerke in Egerpohl, die sein Vater erbaut haben soll. In einem Steuerbericht des Jahres 1799 erfahren wir von seinen vielfältigen unternehmerischen Aktivitäten:

„Johann Reinshagen ist ein bedeutender Winkelierer in Ellen- und Spezereiwaren. Kürzlich hat er einem Elberfelder Kattunhändler 12.000 Thaler Kredit angeboten. Seinen Sohn hat er nur für Handlungsspekulationen in Elberfeld etablirt. Seine bedeutenden Reisen führten ihn durch das Münsterland, Holland, Seeland und Ostfriesland. Die Correspondenzen reichen sogar bis Triest. Weiterhin ist er Kapitalist. 10.000 Thaler hat er zum wenigsten auf der Bank bei Aschenbach und Brünninghaus in Elberfeld.

Dabei betreibt er eine starke Wirtschaft. 2 – 3 Knechte hält er für seine Bierbrauerei, Brandweinbrennerei und Bäckerei. Seit langen Jahren hält er ein Reitpferd, um die Handlungsgeschäfte bereisen zu können. Zum Transport hält er drei Karrigpferde. Eine bedeutende Spennerei, deren Größe mit 1500 „Spenner“ (Spindeln) angegeben, trägt weiter zur Wohlhabenheit bei.

Ein Eisenhammer, ein sog. Reckhammer, ist allein mit 30 Thaler Industriantensteuer belegt.“

Als 1788 nach 166 Jahren in Wipperfürth wieder eine lutherische Gemeinde gegründet werden konnte, trat das erste Consistorium in Johann Reinshagens Haus zusammen. Er selbst wurde zu einem der beiden Kirchmeister gewählt. Sein Vater fungierte als einer von vier Deputierten, die sich um den Bau der Kirche kümmerten. Dieses Gotteshaus ist bekanntlich kurz nach seiner Vollendung dem Stadtbrand von 1795 zum Opfer gefallen. Johann Reinshagens Haus am Markt gehörte zu den wenigen Gebäuden, die verschont blieben.

Um 1800 gehörten nur noch zwei der sechs Hämmer im heutigen „Hämmern“ dem Kaufmann Reinshagen, drei dagegen dem Johann Peter Paffrath; beide Werke stellten Band-, Rund- und Achtkanteisen her. Der sechste Hammer, „Arends aufm Born“ zugehörig, stand still. Paffrath war mit Maria Katharina Reinshagen verheiratet; sie war wohl eine Schwester von Johann und Gottfried oder aber eine Tochter des Johann Peter Reinshagen.

1812 starb Johann Reinshagen bei einem Streit mit einem angetrunkenen Nachbarn, wahrscheinlich in Folge eines Schlaganfalls. Seine Kinder, zwei Söhne und vier Töchter, hatten Wipperfürth offenbar zu diesem Zeitpunkt bereits wegen auswärtiger Heiraten verlassen. Das Haus am Markt wurde an die Familie Volbach verkauft. Der Besitz in Hämmern ging 1818 an den Hückeswagener Kaufmann Wilhelm Arnold Johanny-Abhoe (1770–1837), der die Hämmer zu einer Tuchfabrik umbaute. Gottfried Reinshagen blieben die nördliche Hälfte des Wohnhauses und einige kleinere Grundstücke. Die südliche Haushälfte bewohnte Johann Wilhelm Thomas (1776–1843), der mit Johann Peter Paffraths Tochter Anna Margareta (1767–1852) verheiratet war und dessen Besitz offenbar geerbt hatte. Er war der letzte Hammerwerksbetreiber an diesem Standort. Einen der Hämmer soll er 1826 in eine Walkmühle umgewandelt und diesen Betrieb später um eine Spinnerei und eine Tuchfabrik erweitert haben. Diese Tuchfabrik hat nachweislich noch 1840 neben der Johannyschen Fabrik in Hämmern bestanden. Der Grabstein von Johann Wilhelm Thomas und Anna Margareta Paffrath ist das älteste erhaltene Denkmal auf dem alten evangelischen Friedhof in Wipperfürth. Leider wurde der plastische Schmuck vor einigen Jahren gewaltsam entfernt und gestohlen. Die Schrift blättert immer weiter ab. Wenn dem Steinverfall nicht bald Einhalt geboten wird, gibt dieses frühe Monument Hämmeraner Geschichte in absehbarer Zeit keine Auskunft mehr.

Erich Kahl
(Heimat- und Geschichtsverein Wipperfürth)
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